Frage an Radio Yerevan: Wie sicher ist denn nun der Sichtflug durch die Vulkan-Asche?
By admin on Apr 21, 2010 | In News, Politik, Wirtschaft
Frage an Radio Yerevan: Wie sicher ist denn nun der Sichtflug durch die Vulkan-Asche? Antwort: Im Prinzip sehr sicher. Aber das kommt darauf an, ob Sie Aktionaer, Pilot oder Passagier sind.
Eins vorweg: Der Kunstgriff, einer Gefahr, die sich nicht zuletzt durch eingeschraenkte Sicht manifestiert [im Falle von Scheiben-Laesionen durch den Sandstrahl-Effekt der Aschepartikel] durch den Umstieg von Instrumenten-Navigation auf kontrollierten Sichtflug zu begegnen, zeugt von der fadenscheinigen und billige versicherungstechnische Pseudo-Abwaelzung der juristischen Verantwortung auf die Piloten, die letztlich de facto kaum Entscheidungsfreiheit im Rahmen ihres Arbeitsvertrags haben.
Also, naehern wir uns des Problems einmal von der technischen Seite an; Offensichtlich hat dies ja bisher noch niemand mit flugzeugtechnischen Sachverstand getan. Und wie immer versteht es sich von selbst, dass man sich hierbei von gefaehrlichen Halbwissen und Spekulation weitestgehend freimachen sollte und stattdessen versuchen, auf die vorhandenen Fakten zu rekurrieren:
Da haetten wir zunaechst die Erfahrungen aus vorangegangen Vulkan-Asche-Incidents; Neben dem bereits erwaehnten Glas-Strahleffekten mit folgender Sichteinschraenkung imponiert hauptsaechlich ein weiterer als kritisch klassifizierter Effekt: Der Ausfall aller vier Engines.
Interessant nun die dafuer herangezogene Erklaerung: Die Motoren wuerden 'verkleben'. Dazu stelle ich einmal folgendes in den Raum: Waere die Core-Engine eines Jet-Triebwerks 'verklebt', liesse sie sich auch nicht nach dem in solchen Faellen immer zu erfolgenden kontrollierten Sinkfluegen restarten. Vielmehr handelt es sich um ein relativ normales Phaenomen: Der Motor benoetigt in der Startphase zum einen eine gewisse Mindest-Drehzahl [die sich auf Grund der Luftdichte in einem relativ engen Speed-Altitude-Korridor abspielt]; Zum Anderen eine fuer das Anstossen des Verbrennungsvorgangs festgesetzte Sauerstoff-Saettigung. Ist letztere nicht vorhanden, passiert, was den meisten Autofahrern noch von frueher gelaeufig sein duerfte: Der Motor ueberfettet und saeuft ab. Konsequenz fuer den Piloten: Man bringt das Flugzeug auf Geschwindigkeit bei gleichzeitiger Verringerung der Flughoehe, bis sich die Motoren wieder starten lassen.
Aus dem Gesagten wird nun klar, dass hoechstwahrscheinlich die Motoren des damals von der Asche betroffenen Jets auf Grund von akutem [durch den Asche-Anteil der Luft hervorgerufenen] Sauerstoffmangel erloschen sind und nicht 'verklebt'. Wie mir ein guter Freund, seines Zeichens selbst 40 Jahre Flugzeug-Ingenieur, versicherte, ist darueberhinaus der Bypass-Anteil des Intakes moderner Motoren bei ca. 80/20, sodass nach dem zusaetzlich reinigend wirksamen Zentrifugaleffekt der ansaugenden Turbinenschaufeln von dem gesamten Luftdurchsatz nur ca. 10% der Partikel effektiv in die Core-Engine gelangen koennen.
Fassen wir also vorerst zusammen: Solange die Scheiben optisch keine Sicht-Beeintraechtigungen durch Ascheeinwirkung erhalten, sollten auch die Triebwerke in der Regel unbeschadet bleiben.
Nichts desto trotz; Zu grosse Dinge koennen die Motoren durchaus ueberfordern:
Dabei braucht sich der gemeine Passagier nichtmal mit seinen Aengsten auf die Technik zu fokussieren:
Unterhaltsam und lustig waren die vielen Dampfplaudereien trotzdem irgendwie; Zumindest, wenn man nicht gerade vorhatte, von- oder nach Sonstwohin zu fliegen [muessen].
Bonus vir semper tiro.
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