Frage an Radio Yerevan: Hat Westerwelle nicht wenigstens ein Bisschen recht?
By admin on Feb 26, 2010 | In News, Politik, Wirtschaft
Frage an Radio Yerevan: Hat Westerwelle nicht wenigstens ein Bisschen recht? Antwort: Im Prinzip vielleicht. Aber nur, wenn man auf sozialistische Gleichschaltung besteht.
Nachdem es unserem Quaengel-Guido nun endlich gelungen ist, einmal den Bundestag nach seiner Nase getanzt haben zu lassen und 'seine' Hartz-IV-[B]analthesen zu debattieren, wollen wir es uns doch nicht nhemen lassen, die sogenannten Binsenweisheiten nocheinmal auf den Pruefstand zu stellen. Schliesslich konnte man in den vergangenen Tagen ja auch vermehrt ein leises 'naja, eigentlich hat er ja ein bisschen Recht' vernehmen. Dabei darf man die demagogosche Macht von Stammtisch-Platituteden nicht unterschaetzen; Schliesslich hat dereinst schon Adolf der Ueberfluessige damit seine Wahl gewonnen.
However, richten wir unseren Blick nun auf Guido's Wort-Erguesse:
'Wer arbeitet, muss mehr haben, als der, der nicht arbeitet.' Klingt gut. Ist aber bei geneuerer Betrachtung mehr Sozialismus, als Guido es ahnt: Diese Gleichung kann naemlich nur unter der Voraussetzung gerecht sein, dass es sich um Menschen mit identischen Parametern handelt. Also aehnliche Bildung, familiaerer, gesundheitlicher und lokaler Hintergrund. Ich moechte an dieser Stelle gerne noch einmal darauf hinweisen, dass die Maer des rein autarken 'Selfmade-Men' eine Illusion ist. Auch, wenn das Argument gerne benutzt wird, um von seinem Schuldgefuehl gegenueber der eigenen Uebervorteilung und dem hoechstungerechten Glueck Abbitte zu leisten:
Erstens kann Niemand erfolgreich werden ohne die richtigen Partner bzw. eine adaequate Infrastruktur; Seien es Finanziers, Lieferanten oder eben - Kunden. Und bis zu seiner Kroenung als Successor hat man schliesslich von der gesamten Peripherie des Landes, in dem man resuessiert hat, profitiert. Im Klartext: Ob es die Strassen sind, auf denen man sich bewegt; Die Polizei, die einen Protection vor Untaetern garantiert; Das Gesundheitssystem, das einen den Schutz des Lebens garantiert; Oder schlussendlich die Schule bzw. Uni, der man seine Ausbildung verdankt - alles ist Gemeingut, welches auch finanziert werden muss. Dabei versteht es sich von selbst, dass die Profiteure von gestern der naechsten Generation dieselben Steigbuegel halten sollte, die einen selbst einst in den Sattel des Erfolgs gehoben haben. Vorallem deshalb ist Steuerhinterziehung, selbst wenn sie juristisch unantsatbar sein sollte, in erster Linie Diebstahl gegenueber der naechsten Generation und somit hochgradig asozial und undankbar. Man betruegt nicht das System, das einen ernaehrt bzw. grossgemacht hat.
Dann waere da noch der vernachlaessigte Faktor Zeit. Nichtmal im Sozialismus - Gott hab ihn selig - kaema man auf den glorreichen Gedanken, einen langjaehrigen verdienten Mitarbeiter auf die gleiche Stufe mit einem Auszubildenden zu stellen. Es liegt nunmal in der Natur der Sache, dass unsere Elterngeneration, der wir unsere Existenz und unseren Wohlstand - gleich, wie gross oder klein er auch im Einzelnen sein mag - verdanken ihr Soll erfuellt haben. Das Kind muss dieses erst noch erbringen bis es dann selbst irgendwann in der Rolle der Elterngeneration aufgeht.
Warum soll also ein Mensch, der vielleicht 30 Jahre in einer Firma gearbeitet hat und diese jetzt in die Insolvenz geht, nicht mehr Geld erhalten, als ein kerngesunder junger Mensch, der gerade am Beginn seines Arbeitslebens steht? Zumal in der heutigen Zeit paradoxerweise Alter und Erfahrung eher als ein Hemmschuh denn ein Vorteil angesehen werden koennen. Von Chancengleichheit kann hier jedenfalls kaum mehr ausgegangen werden. Und die Solidargemeinschaft wurde ja explicite dazu errichtet, um defizitaere Potentiale auszugleichen.
Keine Frage; Es gibt sie, die 'Sozialschmarotzer'. Und zwar in allen Schichten. Den groessten wirtschaftlichen Schaden richten indes diejenigen an, die es am wenigsten noetig haetten und die durchaus alternative Modelle leben koennten. Allein, deren Lobby verhindert es erfolgreich, dass sie zur Zielscheibe von Populismus und Diffamierung werden. Genau wie einst, als sich ein paar Grosskapitalisten sich entschieden haben, einen unbekannten verhinderten oesterreichischen Kunstmaler zum Diktator hochzustilisieren. Und mit diesem Kunstgriff, der Vereinigung von Arbeiterfront und deutschen Kapitalisten gegen einen dritten Feind, die Kommunisten und spaeter die Juden hat er es geschafft, eine zerstrittene, bis dato eigentlich gar nicht kohaerent existente, Nation voruebergehend zu einen. Der Feind meines Feindes ist mein Freund - so einfach lassen sich Massen manipulieren. Zweckmaessigerweise gegen solche Feinde, die zu einem eine Minderheit sind, und denen man zweitens noch etwas wegnehmen kann. Dabei ist dem Demagogen jedes Mittel recht. Ganz nebenbei wird so von den eigentlichen Ursachen und Schuldigen des Versagens abgelenkt. Adolf Hitler hat sich einmal hoechst selbst gegenueber seiner Sekretaerin Traudel Junge dahingehend geaeussert, dass hinter der glorifizierten Ideologie nichts als banale Wirtschaftsinteressen stecken.
Das besonders Ekelhafte ist nun, dass heute wie damals gleichermassen den Lobbyisten selbst das Mittel der billig-plumpen Provokation zur Stilisierung eines Suendenbocks recht ist, wenn es darum geht, die eignenen Interessen zu konservieren. Das muss man doch in Deutschland noch sagen duerfen, gelle?! O tempora o mores.
Es duerfte klar geworden sein, dass nichteinmal Guido's Binsenweisheiten echte Weisheiten sind. Auch, wenn es voellig frei von jeder Beziehung zu dem ist, wofuer der Mann bezahlt wird [Wer es schon vergessen hat: Er sollte eigentlich den Aussenminister mimen]; Zumindest hat Guido Westerwelle seine Kontinuitaet unter Beweis gestellt: Er ist seinem einzig erwiesenen Talent erneut treu geblieben: Der malignen, traditionell-sinnentleerten Dampfplauderei. Schoen, dass in solch unsicheren Zeiten wenigstens darauf stets Verlass ist. Na denn lieber Guido - in diesem Sinne: 'Zeig doch mal die Moepse...'
Si tacuisses, philosophus mansisses.
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