Frage an Radio Yerevan: Porsche, VW-Piech und Polit-Wulff: Was bleibt mir noch zu sagen?
By admin on Jul 24, 2009 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Porsche, VW-Piech und Polit-Wulff: Was bleibt mir noch zu sagen? Antwort: Im Prinzip nix, aber da waer' noch was...
Es weinte selbst der Himmel. Der 23. Juli geht als rabenschwarzer Tag in die Geschichte ein. Wiedereinmal hat sich die pessimistischste aller Hypothesen bewaehrt; Der Kluegere - ich sollte konkretisieren: Edlere - gab nach und der Warlord unterjocht schlussendlich den feinsinnigen wohlerzogenen Moralisten. Weiterhin zeigt sich, dass wir in Deutschland leider keinerlei Gewaltenteilung haben - Wirtschaft und Politik befruchten sich dergestalt gegenseitig, dass von einer echten Unabhaengikeit zu sprechen als blosser Hohn erscheinen muss. Bedauerlicherweise fuehrt dies jedoch die Begriffe der Chancengleichheit und Freien Marktwirtschaft ad absurdum. Probabilismus versus Probabiliorismus.
Von Kapital-Darwinismus zu sprechen, verbietet sich hingegen. Vielmehr lehrt die moderne Evolutionstheorie, dass nicht der staerkste Krieger, sondern der sozial wie kommunikativ Kompetensteste den 'struggle for life' gewinnt. Alles andere ist unlogisch, da sich im Kampf innerhalb einer Art die Population gegenseitig dezimieren anstatt erhalten wuerde.
Dennoch sollte man selbst bei einer Billigung des avisierten Wegs auch dessen Stolpersteine nicht allzu leichtfertig ausser Acht lassen; Ich stelle an dieser Stelle etwa kommentarlos ab auf die Reaktion des weisen alten Investors Kirk Kerkorian, dessen Tracinda Corporation bis 1998 Hauptaktionaer von Chrysler war; Kerkorian verklagte die DaimlerChrysler AG auf acht Milliarden Dollar Schadenersatz, weil der Zusammenschluss seiner Meinung nach, basierend auf der ungluecklichen Formulierung Juergen E. Schrempps, nicht wie behauptet ein Merger of Equals, sondern eine Uebernahme Chryslers durch Daimler-Benz gewesen sei. Ein Krieg ist eben zumeist nicht schon mit einer gewonnenen Schlacht entschieden.
Allein, auch wenn den 'Siegern' solch Unbill erspart bleiben bleibt, muessen sie realiter im Auge behalten: Keineswegs ist die Liste der Super-Konzerne von Siegern geziert. Vielmehr ist es so, wie es Wendelin Wiedeking einmal formulierte: Wenn Groesse das entscheidende Kriterium waere, muessten die Dinosaurier noch leben.
Last but not least, darf die angebliche Folgenfreiheit fuer die Porsche AG bezweifelt werden. Rufen wir uns einmal in Erinnerung: Der am 25. April 1931 erfolgte Registereintrag der Firma lautete urspruenglich 'Dr. Ing. h.c. F. Porsche Gesellschaft mit beschraenkter Haftung, Konstruktionen und Beratungen für Motoren und Fahrzeugbau'. Auch heute noch besteht ein Gutteil des operativen Geschaefts in beauftragten Konstruktions- und Beratungsleistungen fuer die weltweite Autoindustrie. Ob man kuenftig noch darauf vertrauen kann, dann Konzerne wie Daimler an ein Konstruktionsbuero in Anspruch nehmen, welches eine direkte Tochter des Konkurrenten ist, mag sich jeder selbst fragen. Es bleibt jedenfalls eine alte Weisheit, dass bei der Amalgamation eines hochwertigen Metalls in einem minderwertigen nur das letztere qualitativ profitieren kann.
Deshalb abschliessend ein paar wohlmeinende Worte:
Sehr geehrter Herr Wulff; Lieber Ferdinand A. Piech,
Gratulation. Sie beide haben es wiedereinmal geschafft. Sie haben scheinbar eine Schlacht - wenngleich auch noch keinen Krieg - gewonnen. Im Sinne der Porsche Automobil Holding SE, der Familie Porsche und aller Porschianer weltweit wuensche ich Ihnen, dass Ihr wie auch immer geartetes Vorhaben von Erfolg gekroent sein moege.
Dass Ihrer beider Allianz indes als Initial der Traenen Wolfgang Porsches diente, faellt ein deutliches Urteil. Ueber die charakterliche Qualitaet Wolfgang Porsches. Und ueber die Ihre.
So wird dann auch ein entscheidendes, menschlich zutiefst aufrichtiges, Kompliment wohl weder Ihnen Herr Ministerpraesident, noch Ihnen lieber F. A. P. jemals zuteil werden duerfen: Dass sich Ihre gesamte Belegschaft sowie die geistigen Alleinerben des Gruenders gemeinschaftlich in echter Dankbarkeit hinter Sie stellen und Sie mit weinenden Augen und aus vollem Herzen in den Armen liegend verabschieden. Dazu muss man zwar kein Patriarch und kein autokratisch kaempfender Diktator sein, sondern im Gegenteil ein besonderer Mensch. Wahren Respekt, Achtung und Zuneigung der Menschen kann man eben weder manipulieren, noch kaufen. Man bekommt sie geschenkt. Wenn man sie verdient.
Welches Zeugnis final schwerer wiegt, moege jeder fuer sich selbst entscheiden.
Allen bereits in den Startloechern stehenden Schwachmaten, dumpfbackigen Politclowns, und sonstigen Sommerloch-Penetranten, die die schaendliche Gunst der Stunde zum doppelmoralischen Polemisieren benutzen zu gedenken, sei mit Nachdruck praeventiv das Studium der nachfolgend gelinkten Lektuere empfohlen. Nicht jeder, der eine hohe Abfindung erhaelt, ist asozial. Genausowenig, wie jeder socalled Demokrat ein lupenreiner Volksvertreter zu sein pflegt.
Dr. Wedelin Wiedeking: Persoenliche Erklaerung
Homo homini lupus.
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