Frage an Radio Yerevan: Wer will die Porsche Familie heimtueckisch enteignen?
By admin on Jul 18, 2009 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Wer will die Porsche Familie heimtueckisch enteignen? Antwort: Im Prinzip Niemand. Der eine Niemand sitzt bei VW im Aufsichtsrat, der Andere mimt den Diktator von Niedersachsen.
Eigentlich fallen mir eine Menge zynische Dinge ein, die man hierzu schreiben koennte. Allein, dafuer ist die Sache zu ernst. Es ist mir eine Herzensangelegenheit. Es betrifft mich persoenlich. Und wenn ich taeglich die Black PR gegen Dr. Wendelin Wiedeking hoere, dann faellt mir nur noch ein adaequates Zitat ein, welches meine Stimmung zum Ausdruck bringen kann:
ICH KANN GAR NICHT SOVIEL FRESSEN, WIE ICH KOTZEN MOECHTE.
(Max Liebermann, 1933, anlaesslich eines an seinem Hause vorbeiziehenden Fackelzugs der braunen SA-Pest nach der 'Machtergreifung' Hitlers.)
Und dabei draengen sich gewisse Assoziazionen foermlich auf. Schliesslich bricht Christian Wulff gerade geltendes Europarecht; Das VW-Gesetz ist in einer globalen Marktwirtschaft weder nachvollziehbar, noch legal (siehe meinen vorhergehenden Beitrag). Mit welcher unglaublichen Hybris mischt sich hier ein Regional-Moechtegern-Zar in die private Wirtschaft ein?!
Lieber Christan Wulff, soeben liessen Sie verlautieren, Sie wuenschen sich einen 'Integrierten Konzern'. Schoen fuer Sie. Ich wuensche mir eine goldfarbene Boing 747 mit integrierten Plupmsklo.
Gut wahrscheinlich, dass Ihnen als Mann der Politik eine etwaigige aus der Geschichte herruehrende Dankbarkeit fremd ist; Dennoch moechte ich Ihnen in Erinnerung rufen, dass es Professor Ferdinand Porsche Senior war, der zusammen mit Werlin und Lafferenz am 28. Mai 1937 als Geschaeftsfuehrer die 'GEZUVOR', die Gesellschaft zur Vorbereitung des deutschen Volkswagens mbH, gruendete. Ihm verdanken wir somit nicht nur den Kaefer, den er lange vor dem unseligen Oesterreicher im Februar 1932 fuer Zuendapp als 'Typ 12' erdachte, sondern auch das gesamte VW-Werk samt der angeschlossenen Stadt: Wolfsburg.
Der Zweite im satanischen Bunde - nunja - auch hierzu habe ich bereits meine Meinung kundgetan. Anstatt nun dieselbe zu repetieren, moechte ich sie um folgende Fussnote ergaenzen; Als kuerzlich beim Abendessen mit meiner inzwischen 73jaehrigen Mutter das leidige Thema zu Tische kam, erinnerte sie sich spontan an eine an sich laengst in Vergessenheit geratene Momentaufnahme; Als Ferry Porsche ihr einmal in einem privaten Gespraech anno 1990 unter vier Augen gestand, dass er gerade rechnen muesse, da er seine Schwester zu unterstuetzen habe. Wir erinnern uns: Der Sohn dieser ehemals unterstuetzen Schwester Louise ist derselbe, der nun in einer beispiellos ruecksichtsfreien Kampagne nach dem Erbe grapscht. Derselbe, der einst nach allzu eigenmaechtigen, Onkel Ferry keuhn uebergehenden, Vorfaellen auf nicht gerade ausgesprochen freiwillige Initiative hin die - damals noch als KG gefuehrte - Firma verlassen durfte.
Es scheint wohl eine Nachwirkung dieser einstigen juvenilen narzisstischen Kraenkung zu sein, dass sich Neffe F. A. P. nun nicht nur nicht schaemt, das Tafelsilber der Familie mit Hilfe seiner politischen Vasallen an sich zu reissen, sondern darueberhinaus noch in explicite schaendlicher Manier mittels schwarzer PR Dr. Wendelin Wiedeking seiner Erfolge zu berauben.
Dabei moechte ich, diesmal unter bewussten Verzicht auf jedwelche sich der Gefahr des Missverstaendnisses aussetzende Ironie, klarstellen: Wendelin Wiedeking ist keiner der arroganten MBA-Theoretiker-Schnoesel, die man gemeinhin im Managment anzutreffen pflegt. Er ist ein Mann der Tat, der das Herz auf dem rechten Fleck (und manchmal eben auch auf der Zunge) traegt. Der sich nicht zu schade war, damals in den 90ern, als die Japaner als KAIZEN-Berater Porsche umpfluegten, mit gutem Beispiel praktisch voranzugehen. Der nicht nur einmal im Blaumann vor versammelter Mannschaft selbst Hand anlegte und zum Beispiel Regale absaegte.
Der in seinem 2008 erschienen Buch 'Anders ist besser' (Pieper) offen manche Parallele zwischen der gaengigen Spekulationspraxis und dem beruechtigten Boersenhai 'Gordon Gecko' alias Michael Douglas in dem legendaeren Film 'Wallstreet' zog und seine Managment Kollegen fuer mangelnde soziale Verantwortung unverbluemt schalt. Weder die Politik noch die Banker sparte er in seiner kritischen Analyse aus.
Es versteht sich von selbst, dass so Jemand nur allzu schnell den Ruf als Nestbeschmutzer inne hat. Allein, der Buerger sollte sich hier selbst der Pruefung unterziehen: Ist es nicht genau das, wonach eine soziale und freiheitliche Gesellschaft mit menschlichen Antlitz duerstet? Rufen wir nicht immer nach genau diesem Typus Mensch, der nicht nur in Quartalen denkt, sondern Nachhaltgkeit aktiv lebt? Jemand, der seine Vorbildfunktion auch dann energisch vertritt, wenn es 'undiplomatisch' scheint und zugunsten seines Verstaendnisses von Verantwortung auch mal gegen den Strom schwimmt?
Bei der kritischen Beschaeftigung mit den Hintergruenden Wendelin Wiedekings Beweggruenden hinsichtlich des Einstiegs bei VW wird schnell klar: Er hat es eben nicht aus Potenzgehabe heraus getan, sondern vorallem, um VW vor der Uebernahme durch einen auslaendischen Hedgefond zu schuetzen. Dabei kommen selbstversatedlich auch Synergieeffekte vorallem in der Entwicklung zum Tragen; Nur sollte man sich geflissentlich daran erinnern, dass Porsche fuer VW entwickelt und nicht umgekehrt. Ohne in besserwisserischer Manier nun erneut die Richtig-oder-falsch-Frage erneut aufzuwaermen, muss man final konstatieren, dass an Wiedekings Absicht nichts moralisch Verwerfliches zu finden ist. Das Scheitern der Durchfuehrung ist auch weniger ein Resultat mangelnder Koordination, als vielmehr einer unseligen Ideosynkrasie von globalwirtschaftlichen Einfluessen einerseits und unlauteren Interventionen andererseits.
Dabei geht es indes nicht nur um die Familie Porsche oder Wendelin Wiedeking. Es geht vielmehr um die Frage aller Fragen: Ob sich David alias eines mutigen mittelstaendischen Familienunternhemens gegen Goliath in Gestalt eines zuhoechst unheilvollen Konglomerats aus omnipotenten Grosskonzern samt involvierter Banken und protegierender Politmafia durchsetzen kann. Ob Wendelin Wiedekings Definition des Unternehmens als integrativ handelnder Teil und Partner der Gesellschaft gegen Ferdinand Piechs Philosophie von 'Wirtschaft ist Krieg' schwerer gewichtet. Ob sich Gerechtigkeitsdenken und unternehmerisch-soziale Verantwortung gegen lobbyistisch-egomanische Macht und Manipulation auszahlt. Schlussendlich; Ob Deutschland eine soziale Demokratie sein will. Oder eben nicht.
Bleibt mir nur noch eine persoenliche Anmerkung; Wo wir doch vorhin schon beim Wuensche aeussern waren: Sollten sich unsere zitierten Conqusitadores durchsetzen, so wuerde ich mir wuenschen, dass die Kunden und Mitarbeiter ueberall auf der Welt ihre Konsequenzen daraus ziehen. Allein, es ist mir wohl bewusst, dass in unserer von Politlobbys beherrschten Welt der aktive Support fuer die ach so ersehnten gesellschaftsrelevanten Werte eher Wunschdenken bleiben wird.
Ci vis pacem, para iustitiam - ci vis pacem, para bellum?
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