Frage an Radio Yerevan: Gibt es eine 'creatio ex nihilo' des Kapitals?
By admin on Jun 9, 2009 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Gibt es eine 'creatio ex nihilo' des Kapitals? Im Prinzip nein, aber solange es Niemand merkt...
Die Erschaffung von Kapital aus dem Nichts - traeumen wir nicht alle davon? Aus aktuellem Anlass koennte man durchaus auf den Gedanken kommen, dass eine solche Moeglichkeit existiert; Wo sonst kommen die ganzen wunderhaften Milliarden her, mit denen die schwarzen Loecher der Grossunternehmen gestopft werden. Nein, werden Sie jetzt einwenden, diese kommen doch vom Staat. Aber auch er muss sie ja bekanntlich irgendwo herholen...
Doch fangen wir beim Anfang an - dem Collaps des Immobilienmarktes:
Der kleine Fritz, noch ganz gruen hinter den nassen Ohren, will mit einer eigenen Hunzezucht reich werden. Als Anfang kauft er einem Zuechter einen kleinen Dackel ab - so einen, wie der von Hausmeister Krause. Er uebergibt dem Zuechter seine ganzen 10 EUR und dieser verspricht, ihm den Hund am naechsten Tag zu liefern.
Am naechsten Tag kommt der Zuechter vorbei und teilt Fritzchen eine schlechte Nachricht mit: 'Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen.'
Fritzchen erwiedert entsetzt: 'Das arme Vieh. Na, dann gib mir aber fix mein Geld zurueck.'
'Geht nicht', eroeffnet ihm der Zuechter. 'Ich habe das Geld gestern bereits fuer Hundefutter ausgegeben.'
Klein Fritzchen bohrt in der Nase und ueberlegt kurz. 'Na gut...', faengt er an, 'dann nehme ich das tote Viech eben trotzdem.'
'Wozu denn das?' fragt der erstaunte der Zuechter.
'Ich will ihn verlosen', erklaert ihm Fritz mit breitem Grinsen in seinem rundlichen Mondgesicht.
'Du kannst doch einen toten Hund nicht verlosen!', staunt der Zuechter.
'Abwarten', frohlockt der kleine Junge, dem die $-Zeichen schon aus den Augen sabbern.
Monate spaeter laufen sich Fritzchen - inzwischen fein gekleidet in Anzug, mit Krawatte und schicken Schuhen - und der Zuechter in der Stadt ueber den Weg. Fragt der Zuechter: 'Fritzchen! Wie lief's denn mit der Verlosung des Hunde-Kadavers?'
'Spitze', erzaehlt ihm der strahlende kleine Fritz. 'Ich habe ueber 500 Lose zu je 2 EUR verkauft und meine ersten 1.000 EUR Profit gemacht.'
'Ja... gab's denn keine Reklamationen?'
'Doch - vom Gewinner schon', erklaert Fritzchen. 'Dem habe ich dann jedoch einfach seine 2 EUR zurueckgegeben.'
Heute sitzt Fritzchen im Vorstand und verkauft Pfandbriefe bei der HRE gemacht.
Um jedoch der Wahrheit die Ehre zu geben; Natuerlich sind bei weitem nicht alle Banker so. Dann wuerde im Uebrigen auch das ganze System versagen. Es braucht 'sone' (die das Zeug verticken) und 'solche' (die es den ersteren treuglaeubig abkaufen). Letztere werden wir nun in der folgenden Anekdote kurz naeher beleuchten:
Einst stand eine Grossmutter am Bankschalter und moechte 100.000 Euro auf ihr Konto einzahlen: 'Liebe Grossmutter, das ist aber ein Haufen Geld, den Sie mir auf den Tresen legen. Leider bin ich jedoch, auf Grund des Geldwaeschegesetzes, verpflichtet Sie zu fragen, wo Sie das her haben.'
Grossmutter: 'Durch Wetten verdient.'
Banker: 'Was, durch Wetten verdient eine alte Frau wie Sie mal eben 100.000 Euro?'
Grossmutter: 'Ja, sage ich doch. Ich mache Ihnen ein Beispiel: Ich wette um 20.000 Euro, dass der Direktor dieser Bank drei Eier anstatt nur deren zwei hat.'
Banker (etwas blass): 'Gute Frau, da habe Sie sich aber was Nettes ausgedacht.' Er laeuft geschwind zum Chef, um ihm von der Wette zu erzaehlen. Nachdem der Banker zur Oma zurueckgekehrt ist, bekundet er mit freudig-gerissenen Grinsen: 'Gute Frau, mein Chef nimmt die Wette an, wie wollen wir weiter vorgehen?'
Oma: 'Ich komme morgen mit einem Zeugen, meinem Anwalt, hierher, um die Wette einzuloesen.'
Der Banker und sein Chef freuen sich diebisch ueber die Wette. In Gedanken malen sie sich schon aus, wie sie die 20k im Puff verballern. Tags darauf erschien dann tatsaechlich die Oma in Begleitung ihres Anwaltes:
Der Bankdirektor empfaengt die beiden erwartungsvoll: 'So, liebe Oma, dann wollen wir mal zur Tat schreiten.' Er oeffnete den Reisverschluss seiner Hose, Omas zittrige Haende begrabschen und untersuchen sein fuer die Fortpflanzung zustaendiges Hab und Gut. In dem Moment sinkt der Anwalt in die Knie und klatscht sich am Boden seinen Kopf blutig. Banker und Direktor entsetzt: 'Was ist den mit Ihrem Anwalt los?'
Oma: 'Ich habe mit meinem Anwalt 100.000 Euro gewettet, dass ich heute die Kloethen des Bankdirektors in meiner Hand halten werde...
Rekapitulieren wir: So Verblueffend einfach ist unser Wirtschaft. Auf das gesamte System transportiert, funktioniert der Kreislauf dann in etwa so:
Es ist August, eine kleine Stadt an der Riviera, Haupt-Saison, aber es regnet, also ist die Stadt leer. Alle haben Schulden und leben auf Kredit. Zum Glueck kommt zu einem Hotel ein reicher Russe. Er will ein Zimmer und legt $100 auf den Tisch , danach schaut er sich das Zimmer an.
Der Hotelchef nimmt die Banknote in die Hand und laeuft schnell, um seine Schulden bei dem Fleischlieferanten zu regulieren. Dieser nimmt die Banknote in die Hand und laeuft weiter, um seine Schulden bei dem Schweinezuechter zu regulieren. Jener nimmt die $100 in die Hand und laeuft schnell, um bei dem Futterlieferanten seine Schulden zu reduzieren. Selbiger nimmt mit grosser Freude das Geld in die Hand und gibt es der Hure, die er kuerzlich besucht hat und bei der er die Dienstleistung auf
Kredit genommen hat. Letztere nimmt das Geld in ihre Haende und laeuft froh, um ihre Schulden bei dem Hotelchef zu regulieren, wo sie auch kuerzlich eingemietet war und daher noch einen offenen Saldo hat.
In derselben Sekunde kommt der Russe vom Zimmer zurueck und sagt, dass ihm das Zimmer nicht gefaellt.
Er nimmt seine 100$ zurueck und verlaesst die Stadt. Niemand hat verdient, aber die ganze Stadt hat keine Schulden mehr und schaut optimistisch in die Zukunft.
Na also - jetzt brauchen wir scheinbar nur noch einen Russen, der die ersten $100 ausgibt. Aber ohh, halt - er ist ja schon da: In Gestalt von Magna, die Mithilfe der russischen Sber-Bank sich soeben an Opel beteiligt haben um die maroden GAZ Werke zu sanieren - oder wars etwa umgekehrt?! Jedenfalls meint der Chef der russischen Sber-Bank: 'Wir waeren nicht in dieses Projekt gegangen, haette es nicht die Unterstuetzung der russischen Regierung gegeben. So wie es auch die Unterstuetzung der deutschen Regierung gibt. Ich hoffe, dass wir gemeinsam mit der Firma Magna dieses Projekt realisieren koennen und die Risiken ueberwinden, die es gibt.' Na, das nenne ich doch mal einen ehrlichen Banker; Er redet zumindest nicht mitten in der Wueste von bluehenden Landschaften.
Offenbar haben wir es hier mit einem Sonderfall der creatio ex nihilo zu tun; Man addiert einfach einem stinkingen kleinen Nichts ein grandioes parfuemiertes Garnichts auf und quadriert dann das Resultat. Ich weiss auch nicht, weshalb mir jetzt ploetzlich der folgende Witz in den Sinn kommt:
Sitzt eine Nonne in einem Bus. Kommt ein Hippie und setzt sich neben sie. Schliesslich fragt der Hippie: 'Tschuldigung, haettest du Lust zu poppen?' Die Nonne: 'Nein, das kann ich nicht machen, ich bin eine Dienerin Gottes!'
Der Hippie gibt nicht auf und probiert es ein zweites Mal, doch wieder lehnt sie ab. An der Bushaltestelle steigt der Hippie aus, der Busfahrer haelt ihn fest und sagt: 'Wenn du diese Nonne poppen willst, dann geb ich dir nen Tipp: Jeden Abend um 22 Uhr geht sie auf den Friedhof und betet!'
Der Hippie bedankt sich und folgt dem Rat des Busfahrers. Um 22 Uhr kommt er in Jesusgewaendern zum Friedhof und sieht die Nonne beten. Er tritt vor sie und ruft: 'Ich bin Jesus und habe von Gott den
Befehl erhalten, dich zu nehmen!' Die Nonne sieht verwundert auf und sagt: 'Wenn du wirklich Jesus bist
und Gott dir das aufgetragen hat, so nimm mich, aber bitte von hinten, dass du mein Haupt nicht betrachten musst.'
Nach 5 Minuten wildem Treiben reisst sich der Hippie die Jesusgewaender vom Leib und schreit: 'Reingefallen, ich bin der Hippie!'
Daraufhin reisst sich die Nonne die Gewaender vom Leib und ruft: 'Reingefallen, ich bin der Busfahrer...'
Ok, kehren wir nach dieser Excursion also zurueck zum Ausgangspunkt: Wie gelingt es nun den Staaten, die benoetigten Milliarden 'aus dem Nichts' zu erschaffen? Ganz einfache Antwort: Gar nicht. Die Staaten koennen kein Geld erschaffen. Sie muessen es sich leihen. Und zwar unter anderem bei der Weltbak oder dem IWF.
Bezugnehmend auf unsere Eingangsgeschichte, saehe es somit in etwa so aus: Das kleine Fritzchen entschliesst sich nach den ersten Erfolgen mit dem mehrfachen Verkauf der Option auf einen toten Hund, das ganze zu institutionalisieren. Damit nun so richtig die Post in seinem Wahnsinnsbusiness abgeht, muss er also einmal einen grossen Bedarf an toten Hunden schaffen; Also patentiert er ein Verfahren zur Weiterverarbeitung von Hundekadavern. Klamotten, Essen und Haeuser - alles aus toten Hunden. Jetzt brauchen die Menschen seine Dienste, denn der schlaue kelien Fiesling hat sich natuerlich auch das Monopol auf den Handel und die Herstellung von toten Hunden gesichert.
Als naechstes faengt er an, seine Lose bzw. Optionen auf tote Hunde auf Kredit zu verkaufen - fuer jedes kreditfinanzierte Los verlangt er jedoch eine zusaetzliche Sicherheit, zB. eine Grundschuld. Selbstredend erhebt er auch fuer die gesamte Laufzeit der Verlosung Zinsen, die er sich ebenfalls garantieren laesst. Wir sehen also, jetzt hat Fritzchen gewissermassen aus dem Nichts ein Vermoegen aufgebaut. Eines, dass dank der Verzinsung auch noch zunehmend waechst. Nach jedem Losdurchgang erneuert Fritz natuerlich den Kredit und beaufschlagt seine Absicherung um neuerliche Zinsen. Diese Zinsen sind revolvierend - daher es werden die vorhergehenden Zinsen erneut verzinst.
Falls Sie den Wert einer solchen revolvierenden Verzinsung unterschaetzen: Haette beispielsweise Jemand im Jahre 0 n.Chr. nur einen halben Euro-Cent ('Josefspfennig') zu 5% Zins angelegt, so waere daraus durch Zinseszins bereits im Jahre 1466 der Wert einer Erdkugel aus Gold, und im Jahr 2005 bereits über 200 Milliarden Erdkugeln aus Gold geworden.
Wir sehen also: Fritzchen hat mit einer einmaligen Einlage ein gigantisches Vermoegen aufgebaut, da er ja nur in einen toten Hund investiert hat, und diesen mehrmals 'beleiht'. Am Schoensten laeuft es natuerlich fuer Fritzchen, wenn Oma ihren Kredit nicht mehr bedienen kann. Denn dann braucht Fritz zwar vorerst keinen Hund mehr liefern, kann sich jedoch trotzdem - praktisch ohne einem eignenen Investment - schadlos halten und allein auf Grund der Besicherung der kumulierten Schuld- bzw. Zinslast Omas Kleinhaeuschen einverleiben. Wie - das verstehen Sie nicht? Nunja, genau hier liegt das scheinbar Absurde des Geldsystems: Gerade die Ueberschuldung ist ein Gluecksfall fuer den Glaeubiger, der sich nun ungehindert an den Sicherheiten des Schulnders befriedigen kann (im doppelten Wortsinne). An diesem Punkt haette der kleine Fritz Etwas nach dem Modell einer Zentralbank gegruendet.
Frage an Radio Yerevan: Dann profitiert also doch Jemand von der Finanzkrise? Antwort: Im Prinzip nein, aber wenn die Staaten jetzt alle 'Konjunkturprogramme' mit dem Hubschrauber ueber den Probanden ausschuettet, dann muss er dieses Geld vorher besorgen. Dies geschieht zum Einen ueber den IWF und die Weltbank, zum Anderen ueber das Placement von T-Bonds (Anleihen). Diese Treasuries muessen jedoch besichert und verzinst werden. Je unsicherer die Rueckzahlung bzw. der Wert der Waehrung zum Zeitpunkt der Faelligkeit ist, desto hoehere Zinsen wird der Finanzmarkt als Risikopraemie fordern. Dank am langen Ende steigenden Zins und Zinseszins, vermehrt sich auch die Schuld exponentiell. Die Einkommen, aus der der Saat seine Schuldenlast bedienen muss, sind jedoch - richtig geraten: Die Steuereinnahmen! Und womit buergt so ein Staat fuer seine Kredite?
Denken Sie mal ueber das Wort 'Staatsbuerger' nach...
Konkretisiert: Die Einzigen, die Geld aus dem Nichts schoepfen koennen, sind die grossen Geschaftsbanken, zu denen im uebrigen auch die maechtigste, die FED, gehoert. Ja, ob Sie wollen oder nicht; Auch diese ist und bleibt eine private Bank. Zwar mit staatlicher Funktion ausgestatt, aber gegruendet von einem privatrechtlichen Konsortium. Punkt. Sie alle erschaffen Giralgeld, welches seit Abschaffung des - auch nicht gerade oekonomisch ausgegorenen - Gold-Underlayings nicht mehr physisch hinterlegt ist. Dieses Phantasieprodukt leihen Sie dann zu teuren Zinsen an die Menschen wie Staaten aus. Besichert mit allem Vermoegen, welches eine Volkswirtschaft zu bieten hat.
Wir fuehlen uns sogleich an die Alchemie erinnert: Aus Scheisse wird Gold. Und wie im Maerchen von des Kaisers neuen Kleidern schauen alle verzueckt auf einen gewaltigen Haufen Kacke und tanzen um das fuer golden geglaubte Kalb. 'Nur Bares ist Wahres' - hahaha. Es ist einzig das, was Sie sich wuenschen, was es sein soll.
Der einzig reale Wert, den die Bank heute noch unser aller Geld ihrerseits unterlegt hat, ist unser Vertrauen. Nicht weniger, aber leider auch keinen einzigen Deut mehr.
Nescis mi fili, quantilla prudentis mundus regatur?
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