Frage an Radio Yerevan: Gibt es eigentlich den optimalen Menschen?
By admin on Nov 12, 2008 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Gibt es eigentlich den optimalen Menschen? Antwort: Im Prinzip ja. Aber die meisten sind leider zu gesund...
Schon wenn die kleine Nachzucht das Licht der Welt erblickt, stellen sich erste soziale Komplikationen ein. Das ganze steigert sich dann noch, wenn der kleine Mensch beginnt. sich zu individuieren. Welch grosse Anstrengung muessen da Eltern, Lehrer und Therapeuten vollbringen, damit das lebendige und freie Steinzeitbaby seine Natur verraet und zu einem ueberangepassten, kaputten und normalen Mitglied unserer wahnsinnigen Gesellschaft mutiert.
Erst beseitigen wir die Neugier des frechen Kleinen, dann den Freiheitsdrang - und als Meisterstueck zerstoeren wir seine Kritikfaehigkeit.
Der ideale Mensch von heute sieht in einer von Leistung und Wettbewerb getriebenen Gesellschaft etwa so aus:
Bei der Geburt sollte schon ein leichter Autismus vorhanden sein - das ist sehr angenehm fuer die naehere Umgebung, da sich das Kind so ganz auf seine rationalen Aufgaben 'konzentrieren' kann und seine Eltern nicht mit unnoetigen emotionalen Beduerfnissen belaestigt. Spaeter sollte sich ein kleiner Anankasmus (Zwangsstoerung) hinzugesellen - vielleicht zunaechst in Art eines Aufraeum- und Waschzwangs; Spaeter dann durch substituiert durch manifeste Arbeitssucht. Maedchen - aber zunehmend auch Jungen - mit beginnender Adoleszenz sehr zutraeglich im Sinne ihrer Attraktivitaet und somit Karrierechancen ist die Manifestation einer Anorexia (als preiswerte Variante) oder eine Bulimia Nervosa (als Luxusausfuehrung auch in Form einer Sportbulimie).
Bereits bei beginnender Gymnasialkarriere empfiehlt sich das Vorhandensein einer leichten Persoenlichkeitsstoerung wie etwa Borderline-Syndrom, da sich diese Menschen bei suggestiver positiver Uebertragung sehr gut instrumentalisieren lassen. Auf Grund ihrer instabilen Beziehungsmuster, einhergehend mit einem sehr fragilen Ich, sind diese Menschen sehr fleissig. Sie arbeiten geradezu um ihr Leben bzw. ihre ihrem inneren Gefuehl nach fehlende 'Lebensberechtigung', die sie sich auf Grund eines praeodipalen Schuldkomplexes absprechen. Im Klartext: Das kleine Kind fuehlte schon sehr frueh, dass etwas in ihrer naechsten Umgebung nicht in Ordnung war - etwa anhand ihrer latent depressiven Mutter - und muenzte, wie das Kinder nun mal gerne tun, den Grund fuer diese Stimmung auf sich. Ein natuerliches Ueberbleibsel des primaeren Narzissmus, der uns zu Beginn in die Mitte der Welt stellen moechte.
Uberhaupt ist dieser gestoerte Narzissmus eine feine Sache: Haben wir einmal zu wenig Urvertrauen - also bedingungslose Liebe - von unserer Mutter mitbekommen, neigen wir zeitlebens daran, unser Ich in Frage zu stellen. Wir moegen uns nicht und denken, wir sind nicht gut genug fuer diese Welt. Nun, das ist doch wunderbar - so bleiben wir hoch suggestibel fuer all die schoene Reklame, die uns wahrmachen will: 'Hey Du kleines Nichts - schau her, mit diesen tollen XY-Produnkt kannst Du Deinem armseligen Leben endlcih ein wenig Glanz verleihen. Ohh jaa, Du Versager - ohne Haus, Boot und Millennium-Amex wirst Du Dich niemals vermehren duerfen...' Ueberfluessig zu erwaehnen, das aus letzterem Grund unser exeplarisches Idealkind natuerlich beilaeufig auch ueber einen hohen Grad an rationalem IQ verfuegen sollte. Dies ist aber nur fuer einen Prozentsatz noetig - oder glauben Sie wirklich, dass in einem kuenftigen (mit China konkurrierenden) Billiglohn-Land allzu viele Intelligenzbestien von Noeten sind? Diese sind in gewisserweise sogar kontraproduktiv, da ihre Lohnforderungen und ihre Wuensche nach Einflussnahme mit Massenproduktion nicht kompatibel sind. Hier erkennen wir nun auch den tieferen Sinn in dem dreigliedrigen Schulsystem, dessen vorrangiger Zweck es bereits seit monarchischen Zeiten in Deutschland ist, die Bildung der Arbeiterklasse auf moeglichst niedrigem Niveau zu halten. Das stabilisiert das Angebot akademischer Berufe - und verhindert groessere demokratische Mitsprache-Begehren des gemeinen Buergers.
Hat man dann endlich seine Nuerosen kapitalisiert und ein Leben lang das Brutto-Sozialprodukt vermehrt, sollten die Gebrechen allmaehlich physialogisch manifest werden. So waere es im Sinne der Sozialstaat-Effizienz sehr oekonomisch, wenn der Mensch ab etwa fuenfzig anfaengt, im Massen Nikotin und Tabak zu konsumieren. Dies erfuellt gleich zwei Aufgaben: Es refinanziert einen Gutteil des Staats-Etats (die Posten Tabak- und Branntweinsteuer tragen in signifikantem Umfang zu den Verbrauchsteuereinnahmen bei); Und es verringert die Lebenserwartung. Wer in diesem Lebensabschnitt keinen Job mehr hat, wird sowieso nicht mehr benoetigt. Und fuer die anderen stehen die Nachfolger bereits in den Startloechern. Hier wird dann sichergestellt, dass bei Eintritt in das Rentenalter ein zuegiger uebergangsloser finaler Abschied stattfindet. So belaestigt das Produkt Mensch wenigstens nicht noch die Gesellschaft mit seiner unnuetzen Anwesenheit als Bittsteller und Rentenepfaenger.
Merken Sie was? Die Euthanasie-Diskussion hat sogar suggestiven Charakter: 'Ach Opi, willst Du nicht auch dieses laestige Leben endlich loswerden...' Interessant hierbei erscheint mir der Hinweis, das in anderen Gesellschaften der Wunsch zu sterben nicht automatisch mit dem Alter assoziiert wird. Frage an Radio Yerevan: Koennte es vielleicht sein, dass hier lege vindice in den Kampf um 'das Recht, sein Leben zu beenden' evtl. auch eine implicite Messsage versteckt wird? Die Anheimstellung der sozialvertraeglichen Selbst-Termination oekonomisch wertlos gewordenen Lebens. Wer glaubt denn schon die Scheisse von dem 'wuerdevollem Abschied'? Was ist daran wuerdevoll, wenn jemand sich derart als Belastung fuer Angehoerige und Gesellschaft empfindet, dass sein Leben unertraeglich wird? Und dies ist weder systemimanent, noch natuerlich. Ich wiederhole: In Gesellschaften ohne dem unausgesprochenen Vorwurf der 'Belastung durch die Pflege der Alten' gibt es das Phaenomen der latent-lebensmueder Renter nicht. In diesen Gesellschaften geniessen die Alten einen hohen Status. Schliesslich bedeutet 'Senat' im Wortsinne auch 'Aeltestenrat'.
Der Tag wird kommen, dass der Staat in einer nicht allzu fernen Zeit analog der sinnlosen Subventionierung der Automobilindustrie ueber Verschrottungspraemien auch eine virtuelle Abwrackpraemie fuer humanoides Recycling classifiziert. Der alte Mensch, der seine Familie unterstuetzt, indem er sich auf presiwerte Weise entsorgt. Es geht hierbei die Vermutung um, dass es solche Subventionsmodelle in einschlaegigen Terrorkreisen sogar heute schon gibt...
Welch Ironie, dass diese unverschaemten Mesnchen sich erdreisten, immer aelter zu werden. Es hat den Anschein, als waere nichts unbrauchbarer fuer unsere neurotsiche Konsumgesellschaft als der gesunde Mensch. Ein Irrtum der Natur, der mit Hilfe genetischer Manipulationen bestimmt schon bald korrigiert wird. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass die Verkuerzung der Telomeren (Endstuecke der DNA-Strickleiter) mit der verbleibenden Anzahl an Reduplikationen korreliert; So ist es dann moeglich, den Zeitpunkt des Absterbens exakt mit dem Renteneintrittsalter abzustimmen. Sicher koennen wir dann auch praenatal sui generis selbst entscheiden, in welchem Grad und auf welche Art unsere Kinder einmal abnormal sein werden.
An dem Tag, an dem der Mensch anfing, eine quantitative Unterscheidung innerhalb der eigenen Art zu treffen, verlor er seine Menschlichkeit. Unwiederbringlich.
Loesungen indes werden von der Pharma-Industrie gewiss schon bald angeboten. Und das Design - oder die Definition - passender Trend-Krankheiten fuer teuer entwickelte Lifestyle-Medikamente hat gerade erst begonnen.
Qui nescit dissimulare nescit regnare.
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