Frage an Radio Yerevan: Sind Penner eigentlich nutzlos?
By admin on Nov 10, 2008 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Sind Penner eigentlich nutzlos? Antwort: Im Prinzip ja. Aber in Wirklichkeit sind sie ein tragender Pfeiler unserer Gesellschaft.
Also - was ist dann der geheime Auftrag, den Obdachlose im Dienste unserer ach_so_tollen Gesellschaft leisten?
Erstens: Sie halten uns den Spiegel vor und erinnern uns daran, wie gut es uns doch geht. Schon ist der Aerger ueber den doofen Chef relativiert. Und auch die viel zu kleine Villa stoert uns kaum noch. Anders ausgedrueckt: Wenn wir auch uebel riechen - es genuegt, dass der Andere noch mehr stinkt...
Zweitens: Sie vermitteln uns das geile Gefuehl von Solidaritaet. Geben wir ihnen auch nur einen laecherlichen Euro von unseren Spekulationsgewinnen, fuehlen wir uns gleich wie Mutter Theresa und vergessen unser armselig asoziales Leben. Es lebe die karthatische Therapie. Nie war der Ablasshandel so billig wie heute.
Drittens: Sie sichern uns den Platz in der High-Society. Stellen Sie sich doch mal vor, wie scheisse es waere, wenn diese armseligen Gestalten alle studiert haetten. Dann haetten wir jetzt eine Anwalts-, Arzt- und Steuerberaterschwemme. Und wir muessten unsere Raffke-Honorare dem Gesetz von Angebot und Nachfrage unterwerfen. Ach, wie gut, dass Adolf der Schreckliche damals mit einem Gesetz vorgesorgt hat, das noch heute Gueltigkeit besitzt (und wohl auch bis in alle Ewigkeit behalten wird - nemo iudex in causa sua); Dem Anwaltszwang. Gekoppelt mit der Gebuhrenordnung eine Lizenz zum Gelddrucken. Dasselbe gilt sinngemaess natuerlich fuer den Meisterzwang usw...
Viertens: Penner setzen ihre Einkuenfte - im Gegensatz zu dem potenziell eher geizig veranlagten Kleinsparer - unmittelbar um, d.h. sie tragen in veritablem Masse zu den Verbrauchsteuereinnahmen dieses unseren Landes bei. Pekunia non olet.
Und last but not least: Schon morgen koennten wir in der selben Situation sein. Diese Abschreckung treibt uns nolens volens unverholen zurueck in das Hamsterrad unserer Wettbewerbsgesellschaft, in der nur noch das 'human product' einen Wert hat, welches (s)einen Mehrwert auch versteuert...
Also: Wenn Sie das naechste Mal einem Penner begegnen, danken Sie ihm aus tiefsten Herzen. Ohne seinen konsequenten Verzicht, seiner demostrativen Armut und seinem groessten Geschenk an Sie - der plakativen Illusion von Ich_bin_ein_Gutmensch - waeren wir in der Matrix unseres tristen Alltags noch viel mehr angeschiessen...
Militem aut monachum facit desperatio.
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