Frage an Radio Yerevan: Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunsimus?
By admin on Oct 30, 2008 | In News, Politik, Wirtschaft, Humor
Frage an Radio Yerevan: Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunsimus? Antwort: Der Kapitalismus steht am Abgrund, der Kommunismus ist schon einen Schritt weiter...
Die Gefahr, die nun im Zuge der populistisch gefuehrten Diskussion des concursus creditorum um das 'Raubtier' Kapitalsimus auftritt, ist die renovatio des Wahnsinns: Im Kommunismus wurde erst verstaatlicht und dann ruiniert - und nun im Kapitalismus ruinieren wir zuerst und verstaatlichen dann...
Dabei klingt es doch an sich nach einer feinen Idee: Nachdem 'letzten Gefecht' und der endgueltigen Beseitigung aller Standes- und Statusunterschiede leben alle Menschen in Ruhe und Frieden gemeinsam und freuen sich ihres Lebens... Der gute alte Kalle Marx beging nur leider einen Denkfehler: Seit wann koennen es denn Menschen ertragen, wenn ihr Gegenueber ausgerechnet ihnen gleicht? Warum machen sie denn soviele Anstalten, sich zu individuieren oder besser noch: Individualisieren durch Styling, Tuning usw. Es sollte jedem bei kritsischer Selbstanalyse duenken, dass der homo ludens nix mehr verachtet, als ausgerechnet Gleichheit. Es widerspricht auch der Natur der sexuellen Vermehrung: Wie anders, wenn nicht durch Differenzierung soll denn die Partnerwahl bzw. die Werbung darum vollzogen werden. Gut; Nicht auszuschliessen, dass die Genossen da die in vitro vertilisation oder Vermehrung durch Teilung im Sinne hatten - allein, dieser Stufe stehen wir - zumindest bis dato - dankenswerterweise noch recht fern. So muessen wir uns also auch hier mit dem abfinden, was wir haben.
Im Uebrigen schafft der Kommunsimus das Kapital ja nicht ab (warum auch?). Er verteilt es nur um - und zwar 'nach oben'. Man koennte es in etwa so formulieren: Der Kommunismus ist die konsequenteste Form des Kapitalismus; Er konzentriert es in absolutem Masse auf den Staat. Die Verstaatlichung des Kapitals ist auch die Monopolisierung desselben.
Der Kapitalismus braucht vielleicht nicht zwangslaeufig die Demokratie. Aber die Demokratie braucht ipso facto den Kapitalsmus. Mehr noch: Wenn sie wirksam funktionieren soll, dann muss sie ihn sogar generieren. Weil Macht und Kapital Geschwister sind. Alle Macht dem Volke muss daher auch bedeuten: Alles Kapital dem Volk. Und nicht etwa dem Staat. Macht ohne Kapital ist eine Farce.
Allein: Eigentum verpflichtet - und so erklaert sich, weshalb gerne auf den Staat verschoben wird. Denn dann muss der consensus gentium sich auf individueller Ebene nicht mehr mit den Konsequenzen seines Tun auseinandersetzen. 'DU bist Deutschland' (...mich geht das nix an - also bleib mir gefaellgst mit Deinen Problemen vom Hals...)
So vertrauen wir dann ganz auf die Gerechtigkeit und Weisheit des Staates. Genau dies ist aber nicht sehr clever - wir alle erinnern uns gerne an das Stanford-Experiment und die Soldaten im Irak. Ausser dem excessiven Machtmissbrauch kommt hier ein weiterer psychologischer Faktor hinzu: In pyramidalen Machthierarchien wird eben die Verantwortung jeweils auf die befehlsgebende (hoehere) Ebene verlagert. So manche Grausamkeiten u.a. im Dritten Reich wurden erst ermoeglicht durch die Aushebelung des Gewissen des befahlempfangenden Soldaten: 'Wenn ich im Auftrag handle, brauche ich mein Tun nicht mehr der eigenen Gewissenspruefung unterziehen'. Somit enfaellt die Kontrolle durch das Ueber-Ich und Es hat freie Hand. Beim Befehlsgeber seinerseits entfaellt wiederrum die zweite Pruefung der eigenen Grausamkeit, da der Befehl ja nicht motorisch umgesetzt werden muss und folglich auch nicht der Instanz der 'Natuelichen Hemmschwelle' unterstellt ist. Die Zensur bzw. Hemmschwelle des Menschen ist genau hier lokalisiert - deshalb kennen wir alle zwar den phantasierten Impuls, einem lieben Feind 'an die Gurgel zu springen' ohne jedesmal der Gefahr dabei, realiter zum Moerder zu werden. Soldaten, die einmal in der Situation waren, auf jemanden schiessen zu muessen, kennen diesen wichtigen Unterscheid der virulent wird, wenn man die Grenze zwischen Wunsch und Umsetzung ueberschreitet. -> Bemerkung am Rande: Hier ist uebrigens die Ursache zu finden, weshalb unter ganz bestimmten Dispositionen Videogames aequivalent den Simulator Trainings von Piloten positiv wie negativ durchaus geeignet sind, fuer den 'Ernstfall' zu trainieren (d.h. die motorische Zensur des Ueber-Ichs zu desensibilisieren).
Wir sehen also erneut: Je groesser eine Gruppe und je hierarischer, desto unmoralischer verhaelt sich der Einzelne. Nur das eigenverantwortliche Individuum vermag moralsich zu handeln. Andererseits benoetigen wir ein parlamentarische Vertretung, die die Interessen der Buerger vertritt und zuglaich auch funktionsfaehiges Kontrollorgan das die gegenseitige Achtung der Freiheit des Einzelnen Buergers wahrt.
Deshalb kann der soziale Kapitalismus als Organisationsform erwachsener, daher verantwortlich handelnder, Individuen auch nur die einzig denkbare funktionsfaehige Staatsform sein. Aufgabe der Politik ist hierbei, dem Buerger entsprechende Freiheiten zu gewaehren. Das bedeutet insbesondere auch, auf die Respektwahrung gegenseitiger persoenlicher Freiheitsgrenzen der Anderen zu achten bzw. deren Verletzung zu unterbinden. Implicite kann man sagen, bedeutet es auch die Sicherstellung der Chancengleichheit bzw. des Ausgleichs eventueller habitueller Defizite derselben.
Dabei ist es wichtig sich zu verinnerlichen, dass die Demokratie eine Ordnung der Ungleichen sein muss. Und das ist auch sehr gut so, da jede Gleichschaltung eo ipso ungleicher Individuen (die wir gottseidank nun einmal sind) per se eine bodenlose Ungerechtigkeit nach sich zieht. Die Gleichberechtigung aller hereditaer ungleicher Menschen ist zugleich auch die Wahrung der individuellen Freiheit. Und somit ein Menschenrecht.
Auch der opinio communis kann in die Irre gehen. Wenn zehn Menschen rechts abbiegen und nur einer links, so bedeutet das keinesfalls zwangsweise, dass die Mehrheit auf dem richtigen Wege ist.
Die Menschen sind nicht gleich, aber gleichwertig. Wir haben kein Recht, den Anderen auf Grund seines Unterschieds zu richten. Weder qualitativ noch quantitativ. Jeder Mensch hat ein Recht auf sein Anderssein. Jeder Mensch hat ein Recht auf seine Freiheit.
So ist es dann auch als selbstverstaendlich anzusehen, dass diejenigen, die von der gebotenen Freiheit innerhalb einer Gesellschaft profitiert haben (etwa dadurch, dass sie sich beruflich selbst verwirklichen konnten) auch den Staffelstab an die nachfolgende Generation weiterzugeben hat. Freiheit bedingt Verantwortung. Und diese Verantwortung ist - ebenso wie die Freiheit - kein isoliert individuelles Phaenomen, sondern kontextuell bezogen auf die gesellschaftliche Matrix, in der wir leben. Man kann sich nicht einfach nur seine Rechte herauspicken und dabei die Pflichten vernachlaessigen. Der Fehler ist dabei am wenigsten systemischer Natur. Nicht der Kapitalismus oder die Demokratie versagen; Es sind die Protagonisten. Wir alle.
Als Exempel, wie die einigermassen korrekt funktionierende Selbstkontrolle eines Systems unter Umstaenden aussehen kann, mag die folgende kleine Anekdote dienen. Sie ist wahr und hat den ersten Platz im amerikanischen Wettbewerb der Strafverteidiger (Criminal Lawyer Award Contest) gewonnen:
In Charlotte, NC, kaufte ein Rechtsanwalt eine Kiste mit sehr seltenen und sehr teuren Zigarren und versicherte diese dann, unter anderem, gegen Feuerschaden. Über die naechsten Monate rauchte er die Zigarren vollstaendig auf und forderte dann die Versicherung auf, den Schaden zu ersetzen. In seinem Anspruchsschreiben fuehrte der Anwalt auf, dass die Zigarren durch eine Serie kleiner Feuerschaeden vernichtet worden seien. Die Versicherung weigerte sich zu bezahlen mit der einleuchtenden Argumentation, dass er die Zigarren bestimmungsgemaess ver(b)raucht habe. Der Rechtsanwalt klagte... und gewann!
Das Gericht stimmte mit der Versicherung ueberein, dass der Anspruch unverschaemt sei, doch ergab sich aus der Versicherungspolice, dass die Zigarren gegen jede Art von Feuer versichert waren und Haftungsausschluesse nicht bestuenden. Folglich muesse die Versicherung bezahlen, was sie selbst vereinbart und unterschrieben habe. Statt ein langes und teures Berufungsverfahren anzustreben, akzeptierte die Versicherung das Urteil und bezahlte 15.000 US-Dollar an den Rechtsanwalt, der seine Zigarren in den zahlreichen "Feuerschaeden" verloren hatte.
Sie denken jetzt sicher, na und? Aber ich habe noch nicht fertig:
Nachdem der Anwalt den Scheck der Versicherung eingeloest hatte, wurde er auf deren Antrag in 24 Faellen von Brandstiftung verklagt. Unter Hinweis auf seine zivilrechtliche Klage und seine Angaben vor Gericht, wurde er wegen vorsaetzlicher Inbrandsetzung seines versicherten Eigentums zu 24 Monaten Freiheitsstrafe (ohne Bewaehrung) und 24.000 US-Dollar Geldstrafe verurteilt...
Frage an Radio Yerevan: Sind wir nun das Volk? Antwort: Im Prinzip ja. Allein, dies ist nur die halbe Wahrheit: Wir sind auch der Staat.
Ci vis pacem, cole iustitiam.
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